SK-FANZINE - Schoppeklopper

Pell Mell 2010- Der komplette Bericht

Dieses Jahr fand auf dem Sportplatz in Obererbach das fünfte Pell Mell Festival statt. Geile Bands, prima Preise und tolle Verkaufsstände wie ein Haribo Händler, ein CD und Plattenverkäufer sowie ein günstiges Essensangebot rundeten das Festival zum Gesamtkunstwerk ab. Schauen wir uns Mal die Fakten der künstlerischen Darbietungen an:

Freitag 03. September

Nach einer schicken „sight-seeing Tour“ durch den Westerwald, kamen wir doch noch rechtzeitig an. Wie immer muß es eine Band geben, die trotz frühzeitiger Uhrzeit den Anfang macht und versucht die ersten Leute vor die Bühne zu locken. Das war gar nicht so einfach, denn es war kaum jemand da. Und trotzdem spielten die Ska-Punker von „Awaiting Crunch“ einen guten Gig und sahen dabei enorm entspannt aus. Am meisten Applaus gab es für das „The Champs“ Cover „Tequila“. Wohl auch wegen dem leeren Versprechen, dass derjenige, der das Wort am lautesten schreit 3 Gratis-Flaschen erhält.

Weiter ging es mit regionaler Power und den Jungens von „Last Fire Burning“ die mit Marc Schamp am Schlagzeug performten. Guter Gig und besonders Nappo`s Gesang klang noch nie so glatt. Vielleicht liegts daran dass die Jungs das erste Mal in meinem Beisein richtig gut abgemischt waren? Natürlich (wie immer beim Schamp) gab es auch wieder blöde Witze. Diesmal mußte der Ortsname herhalten und so wurde aus Obererbach „oberer Bach“. Ach ja: Und auf die Frage wie es ihnen ginge sollten die Leute mit „Naja, es geht so“ antworten. Es hat geklappt und so war der Auftritt nicht nur gut, sondern auch amüsant.

„Society OFF“ spielten Punkrock mit Hardcore Einflüssen und hatten eine kleine Fangemeinde dabei, nur leider waren sie kein würdiger Ersatz für „Make the day“ die ursprünglich diesen Slot spielen sollten, aber leider abgesagt haben.

Die Helden der heimischen Szene „VMZT“ waren nicht besser oder schlechter als sonst auch. Es gab Pogo, Gratis CD`s und wieder einmal nicht den Song „Newconomy“, der für mich der größte Reißer der Band bleibt. Schade! Trotzdem geile Show.

„Fahnenflucht“ sind eine deutsche Punkrock Legende. Was kann man von so einer Band erwarten? Abgerotze über Nazi Demos, politische Texte, eine gute Show und der Evergreen „Kleiner Terrorist“ als Zugabe? Jap. Und genau das gabs auch. Also? Super!

Noch eine Spur motivierter und mit voller Energie und schweißtreibender Bühnen- Action überzeugten „Rasta Knast“, eine weitere Punkrock Legende. Songs wie „Die Katze beißt in Draht“ und „Blut, Tod und Tränen“ schlugen beim Publikum wie eine Bombe ein und ich hatte eine Menge Spaß.

Headliner des Abends waren verdienterweise „The Real McKenzies“ aus Kanada, die mit Scottish Folk Songs im Rockgewand zu überzeugen wußten und mal wieder ihre null Bock Haltung klar machten. „We play another Song, if you don`t like it, we don`t care“. Herrlich. Aber bei dem feinen Programm dürfte es wohl den meisten gefallen haben. Um Missverständnissen vorzubeugen: Beim Auftritt selbst hat man die null Bock Haltung nicht bemerkt und Sänger Paul hat nun mal die weltweit passendste Stimme für diese Musik. Ein toller Freitag Abend!

Sonntag 14.09.

Weil es am Vorabend doch recht spät war, kamen wir erst kurz vorm Ende der Hip Hopper „The incredible Dopzen“ an. Was ich mitbekam war mehr als verzichtbar und völlig unpassend zum restlichen Musikprogramm.

Anschließend ging es weiter mit „Conmoto“ an die hohe Erwartungen gestellt wurden, besteht die Band doch teilweise aus Mitgliedern der ehemaligen Hardcore Band „Bubonix“, die ein Stimmungsgarant in unseren heimischen Gefilden war. Die Erwartungen wurden aus meiner Sicht fast erfüllt und „Conmoto“ überzeugte mit einem eigenen Stil, so dass die Band nicht als billiger Abklatsch vergangener Erfolge gewertet werden kann.

Das die Ska Band „Destination Anywhere“ gut ist war mir durchaus bewusst. Das es mittags schon Circle Pits, Getanze und Pogo gibt ist ungewöhnlich. Dazu gibt es eine riesige Entwicklung, was die neuen Songs beweisen. Frühe Zugabe- Rufe waren die Belohnung. Super wäre untertrieben.

Ganz besonders gefreut habe ich mich natürlich auf „Isetta Drive“, die sich in den vergangenen Monaten ja eher rar gemacht hatten. Mit neuen Songs, alten Gassenhauern und bewährten Aktionen wie der „Gymnastik Übung“ bei „Wo führt das hin“ gestaltete sich der Auftritt genau so, wie ich es erwartet hab. Nämlich kraftvoll, spaßig und musikalisch einwandfrei.

Über die Band „Dampfmaschine“ soll Bela B. von den Ärzten gesagt haben, sie seien das Beste, was im deutschen Rockbereich derzeit zu finden sei. Ich habe mir die Band, die laut dem Klebeband auf der Bassdrum „immer Dampf“ verspricht angesehen und wurde enttäuscht. Zwar fanden sich hier und da ganz gute Songs, aber sich derart besoffen und rotzebreit auf die Bühne zu stellen zeigt null Professionalität und die „tolle Rockshow“ wurde zu einem traurigen Schauspiel und einer Vollblamage für die Künstler.

Schöner gings weiter mit den „V8 Wankers“ die laut Befragung eines Zuschauers einfach bewiesen, „daß die besten Bands am späten Abend kommen“.

Noch später war es bei „Callejon“, die wie echte Rockstars gefeiert wurden. Harte Klänge, textsichere Fans und Prügeleien um die Setlist sorgten ein bisschen für großes Festival Feeling.

Mehr nach meinem Geschmack ging es bei den Headlinern „Frau Doktor“zu. Die Ska Band die sich Ende Oktober nach fünfzehnjähriger Bandgeschichte trennt hatte die Bühne, sowie die Menschen davor fest im Griff und hauten von „501“ über „Auf dem Weg in die Stadt“ , bis hin zu „Alter Freund“ alle Hits aus allen Schaffensphasen der Band raus. Falls dies mein letzter Gig der 8 Jungens war, so werde ich sie als spielfreudige, sympathische Charaktere in Erinnerung behalten, deren Shows einfach unverwechselbar sind und den Höhepunkt der Laune stets für sich verbuchen.

Zwei Tage am Ende der Welt. Zwei Tage auf einem Festival, was sich in den letzten drei Jahren enorm vergrößert hat. Zwei Tage auf dem einzigen Konzert im Jahr, wo es „Bit Passion“ gibt. Zwei Tage mit fetten Bands. Zwei Tage ohne größere Ärgernisse. Zwei Tage… und der unbestrittene Höhepunkt meines Festivalsommers 2010. Vielen Dank an die Veranstalter und alle, die das fünfte „Pell Mell“ zu dem gemacht haben, was es geworden ist.

WIR kommen wieder!