SK-FANZINE - Schoppeklopper

Sascha Suizid- Peccos (live)

Just have some fun:

4 Zimmer Küche Bad- Kein Mensch ist illegal

Im Jahr 2019 soll viel neues Material unserer heimischen Musikszene erscheinen. Das freut mich natürlich sehr und nachdem Visions Only mit ihrer lang angekündigten „Back in line“ EP angefangen haben, legen jetzt unsere Buddys von „4 Zimmer Küche Bad“ nach. Ihre neue Single heißt „Kein Mensch ist illegal“ und ist eine Spendenaktion.

Nach der Veröffentlichung ihres Album, waren „4 ZKB“ ausgiebig auf Tour. Die Texte vom Album waren allesamt sehr politisch. Tja, sagen kann man bekanntlich viel und umso besser ist es dann, auch mal aktiv zu werden. Konsequente Haltung, find ich schonmal super. Der gesamte Erlös der Digital Single geht an die Organisation „Sea Eye“ , die Flüchtlinge vor dem Tod durch Ertrinken rettet und das ist ne super gute Arbeit, die auch jede Unterstützung verdient hat.

Die Frage aller Fragen aber lautet natürlich: „Lohnt sich der Single Download überhaupt?“ Die Antwort ist ganz klar: „Ja! Tut er!“

Die Tracks:

01 „Kein Mensch ist illegal“

…ist ein recht typischer „4 ZKB Song“. Die Strophen handeln einfach von den Lebenssituationen verschiedener Menschen, der Refrain macht dann die Massage den Langsamsten deutlich. „wovor du fliehst ist doch egal“… Musikalisch ist es eine poppig angehauchte Midtempo Nummer, die unverkennbar die Handschrift unserer Lieblings Immo-Rocker trägt. Ist nicht unfassbar spannend und da der durchschnittliche Song von „4 ZKB“ qualitativ schon recht geil ist kann ich sagen, er ist durchnittlich.

02 „Der Teufel trägt Schwarz-Rot-Gold“ …entspricht nicht dem Durchschnitt, er übersteigt ihn bei Weitem. Eine Abrechnung mit der glorifizierten Nazi Kultur und dem falschen Stolz aufs Heimatland. Textlich ist der Song schon ganz weit vorne, musikalisch eine Mischung aus sehr zart bis sehr hart und dabei unglaublich groovend. Mein neuer Lieblings „4 ZKB“ Song.

Soviel mehr gibt’s eigentlich nicht zu sagen. 2 ordentliche Songs für den guten Zweck. Vernünftig produziert von Schlagzeug Legende Thorsten „Thorty König“ , Artwork ist bei nem Digitalen Download eigentlich Wurst… Negativ zu bemängeln gibt von mir nicht viel, nur mit dem Gesang in den Strophen vom Titeltrack fremdel ich etwas, das ist aber Jammern auf hohem Niveau.

Also: für mindestens 2 Euro könnt ihr das Ding euer Eigen nennen, wer kann gibt mehr. Ist echt eine gelungene Charity Aktion und geht an eine Organisation, über die ich mich ausgiebig informiert habe und die da hilft, wo es notwendig ist.

Kein Review ohne Wertung. Satte

09/10 Schoppe

Die Single gibt es auf der Bandcamp Seite https://vierzimmerkuechebad.bandcamp.com/album/kein-mensch-ist-illegal

Danke und bis bald.

Affentanz #2- Bericht

So. Wir melden uns zurück aus der Sommerpause mit dem Bericht zum momentan größten Indoor Event der Region. Die Jungs von Fatzke, RoadRage haben zusammen mit Beckstage Photography jetzt den Verein „Affentanz Musikkulter e.V.“ gegründet und den zweiten Affentanz veranstaltet.

Von der Hochalm im letzten Jahr, zog man um, in die größere Volkshalle. Macht ja auch Sinn, wenn man die Hochalm fast zum Platzen bringt und ein noch fetteres Line-Up ankündigt. Überhaupt haben sich die Veranstalter den Arsch aufgerissen, um das Beste vom Besten zu bieten. Essen von „Mundpropaganda“ (1a Foodtruck), Cocktails vom „Kanapee“ und sogar ein Stand mit Bekleidung hat es rein geschafft. Einzig die Getränkeauswahl bei den „Standards“ gibt es zu bemängeln, denn alkoholfrei gab es nur Cola und Wasser. Für mich ist jetzt Apfelschorle kein Muss, aber wenigstens Fanta und Sprite hätte man schon anbieten können. Preislich gab es absolut nix zu meckern.

Bands:

Den Abend eröffneten die wunderbaren „Bouncing Bettys“, die mit viel Spielfreude und perfekt abgemischt (wie immer) überzeugen konnten. Problem ist nur, dass ich nach wie vor der Meinung bin, dass die Partymucke der Bettys absolut ungeeignet für den Opener Slot ist… aber auf mich hört ja keiner.

„Cateaters“ sahen lustig aus und spielten einen ordentlich anständigen Punk, der geradeaus direkt ins Ohr ging. War ganz nice.

Ebenso nice waren „Shoreline“, die den Anspruch etwas hoben und zu den Lieblingsbands von einem der Veranstalter zählen.

„Lula“ aus Schweden fand ich schwierig. Einerseits ging mir die Stimme nach der Hälfte der Show irgendwie auf den Geist, aber andererseits haben mich die Kerle ungemein an die „Toy Dolls“ erinnert. Und somit bleibt ein angenehmes Gefühl bei der Erinnerung an den Auftritt eben doch nicht aus.

„Fatzke“ sind ja momentan eher wenig aktiv, aber brachten neben ihren Klassikern neue Songs mit, die bald auf Platte erscheinen sollen und komplett restlos überzeugten. Der Sound war ein enormer Abfuck…Man hat kein Wort vom Gesang verstanden (egal wo man in der Halle stand) und bei den Ansagen, musste man sich größte Mühe geben. Die Setlist war trotzdem top und die letzten zwei Lieder ist der Tontechniker dann doch wieder aus dem Winterschlaf erwacht und so war wenigstens das Ende des Auftrittes ordentlich.

Eine Mega-Show rissen „Road Rage“ und mir fällt nix ein, was man da hätte verbessern können.

„Lyvten“ kommen aus der Schweiz und spielen Punkrock mit guten Texten. Das Rad erfinden sie nicht neu damit, aber dass sich bei deren Auftritt die Halle so dermaßen leert, hat die Band um den (Ex?) „Bubonix“ Fronter Thorsten doch nicht verdient.

Auf „Roughneck Riot“ aus dem Vereinigten Königreich hab ich mich im Vorfeld schon ordentlich gefreut. Folk-Punk ist halt total mein Ding und dementsprechend hab ich den Auftritt sehr genossen.

Da „The Prosecution“ krankheitsbedingt absagen mussten, wurde händeringend nach einem würdigen Ersatz gesucht… und so geil ich „The Prosecution“ finde, so kommt trotzdem KEINE andere Skaband an „Frau Doktor“ heran. Die Jungs haben mich in einen Rausch gespielt und dafür gesorgt, dass ich mir mein T-Shirt durchgeschwitzt habe. Das mir das noch einmal passiert, hätte ich nicht gedacht. Das letzte Mal ist viele Jahre her… und war bei „Frau Doktor“ auf dem „Pell Mell Festival“. Auch wenn dem Einen oder Anderen der Titel „Süße Skamusik“ gefehlt hat… Für mich der beste Auftritt, den ich dieses Jahr in der Heimat gesehen habe. Danke für dieses magische Erlebnis.

Ja, danke an Frau Doktor. Danke auch, an alle anderen Bands und ein riesiges Danke an den „Affentanz“ Verein, die soviel Energie und Herzblut in diesen Abend gesteckt haben, dass man es regelrecht fühlen konnte.

Trotz einer geringen Zuschauerzahl, soll der Affentanz fortgeführt werden. Das freut mich enorm. Woran der geringe Zuspruch lag… ich hab keine Ahnung. Denn die Jungs und Mädels haben restlos ALLES richtig gemacht.

Seepogo #7- Bericht

Am 21.07.2018 war es mal wieder soweit. Der Kulturverein Lago Alfredo lud ein. Es war Zeit für die nunmehr 7. Ausgabe des Seepogo Festival. Bevor ich euch meine Eindrücke schildere, sei aber kurz das großartige Warm-Up am Vortag erwähnt, wo es neben leckeren Grillgerichten auch lecker Craft Beer aus der Lahnsteiner Brauerei gab und 3 regionale Bands ordentlich einheizten:

„Stay focused“ haben zum Sonnenuntergang ein tolles Akkustik Set gespielt. Hat gepasst wie Arsch auf Eimer. Fast schon kitschig-schön.

„4 Zimmer Küche Bad“ haben jede Romantik im Keim erstickt. Nach anfänglichen technischen Schwierigkeiten, gabs die übliche politisch motivierte Rock Breitseite. Diesmal mit etwas mehr Hall-Effekt als sonst.

Den Abend zu Ende gebracht haben die Rave-Punker „Strobocop“, die die Crowd am Lago ordentlich zum Tanzen brachten und das Ganze in neuer Besetzung, denn der Björn von „Bronson A.D.“ gehört jetzt auch zu dem sympathischen bunten Haufen.

Am 21. ging es dann ganz früh erneut mit „Stay focused“ los, die ich spontan verpasst hatte, als ich einen erbitterten Kampf gegen mein Bett führte und leider verloren habe.

In der Mitte zu „Sugar Shack“ fand ich mich dann auch auf dem Parkplatz wieder und fand die junge Stoner Band unangenehm gut. Ich wollte an dieser Stelle eigentlich hart abrotzen, da ich den Kerlen ihr Proberaum Konzert am Tag der SK Party letzten Jahres immer noch sehr übel genommen hab. Aber wir haben das jetzt geklärt und deshalb ganz objektiv: Scheiße, wie geil war das denn bitte!?! Eine Band aus alten Bekannten der Szene, die technisch und abwechslungsreich hervorragende Songs spielen. Besonders beeindruckt hat mich Sänger Maxi, den ich seit mehr als 10 Jahren kenne und schätze, aber nie erwartet hätte, dass er so geil singen kann. Gänsehaut. Einfach nur Gänsehaut!

Weiter gings mit „RoadRage“. Wars geil? Klaro! Gibt es was spektakuläres zu erwähnen? Nö. Die Rocker machten wieder einmal genau das, was man von ihnen erwartet. Einzige Besonderheit die zu erwähnen wäre, dass bei „Drink-Fuck-Fight“ Deceiver Drummer Keno die Tierfelle verprügelt hat. Verwandschaftliche Beziehungen machen vieles möglich. Bevor mir jetzt wieder irgendwer es falsch auslegt: Er kann es eben auch saugut.

Viiieeel zu lange ist es her, dass ich „Fatzke“ live gesehen habe. Das wurde mir spätestens klar, als die heimischen Pop-Punker ihre Hits wie „Nicht allein“, „13 Quadratmeter Glück“ und „Meine Welt“ zum Besten gaben. Angereichert wurde die Show mit ein paar wenigen neuen Songs, die aber zu 100% überzeugen konnten. Und dass man dann auf die Pyrotechnik bei „Du bist nicht das Volk“ verzichtet hat, ist bei einer derart großartigen Performance dann auch scheißegal.

Ich kann nicht behaupten schon jemals von der Band „Sewer Rats“ aus Köln gehört zu haben. Ich weiß nicht wie man sie richtig ausspricht, aber Spaß gemacht hat es allemal. Grundsolider, melodiöser Punkrock. Beide Daumen ganz weit nach oben, auch wenn ich immer noch nicht weiß, was es mit „Kannentime“ und dem dazugehörigen Superhelden auf sich hat.

Wenn ich einen dritten Daumen hätte, wär jetzt der richtige Zeitpunkt gewesen ihn nach oben zu reißen, denn mein persönlicher Headliner war an der Reihe. „Skin of tears“ habe ich beim zweiten oder dritten Tells Bells gesehen und sie haben mich damals echt vom Hocker gehauen. Jahrelang hielt ich auf Plakaten Ausschau nach der Combo… Jahre später hab ich sie dann mal mit der Band „Lake of tears“verwechselt und mit der Erkenntnis nicht einmal den Namen noch zu wissen gab ich auf. Heute weiß ich, dass die Gruppe zwischenzeitlich mal 5 Jahre getrennte Wege ging, was die Ergebnislosigkeit der Suche erklärt. Jetzt also auf dem Seepogo und was soll ich sagen… So geil wie eh und je? Ja, aber sowas von! Skatepunk Hymnen noch und nöcher vom Dreadlock Meister und seiner Grinsekatze am Bass. Toataaaal geil. CD ist gekauft und Bock mal wieder auf dem Tells Bells spielen zu dürfen, haben sie auch. Ich hoffe, dass es diesmal nicht wieder 12 Jahre dauert, bis man sie wieder live sieht. Fetter geht nicht mehr.

Danach waren „KMPFSPRT“ dran, die bereits das zweite Mal die Seepogo Bühne beackern durften. Nach dem letzten Mal, bekam ich Hate Mails von einigen Hardcore Fans… diesmal wars auch nicht besser. Obwohl ich den Frontmann bei den Ansagen sehr ins Herz geschlossen habe.

Mit den Hate-Mails rechne ich diesmal aber vielmehr nach meiner Meinung zu „Clowns“. Ja, sie haben eine heftige Präsenz auf der Bühne. Ja, es ist unfassbar energetisch. Ja, es ist eine gelungene Mischung aus Punk und Hardcore… Und trotzdem fand ich es auf Dauer echt öde und langweilig. Die erste halbe Stunde war noch ganz geil, aber dann wärs auch okay gewesen finde ich.

Zur Überraschung des Abends wurden für mich „A Wilhelm Scream“. Noch eine Band, die ich mal auf dem Tells Bells gesehen habe und (im Gegensatz zu „Skin of Tears“) als „akzeptabel“ abgespeichert habe. Ganz im Ernst: Ich muss ganz schön voll gewesen sein. „A Wilhelm Scream“ waren auf ihrer finalen Show der Europa Tournee grandios. Viel Spielfreude, positive Routine, fetter Sound und Bombensongs. Ein totaler Burner und einer der Highlights des Tages.

„Authority Zero“ hab ich mir vorher auf Youtube gegeben. Haben sie mir da gefallen? Ja, haben sie. Haben sie Erwartungen geschürt? Ja, haben sie. Waren sie live genauso geil? Ja, waren sie. War es ein geiler und verdienter Headliner? Ja, waren sie. Nothing more to say.

Jaja, das 7. Seepogo. Gab es was negatives? Abgesehen vom Imbiss und dem immer noch unbeleuchtetem Weg zum Parkplatz… Nein. Im Gegenteil: Fairer Eintrittspreis, faire Getränkepreise und schöne Location. Das ist einfach das Seepogo. Das einem nicht alle Bands gleich gut gefallen ist ja klar und mich hat es echt gefreut, dass sich dieses Jahr so viele Besucher nach Münster verirrt haben.

Ich war auf jedem Tells Bells seit es zweitägig ist… Ich liebe das Pell Mell und feiere es hart. Aber es gibt eine Sache, die das Seepogo allen heimischen Festival voraus hat: Es wird jedes Jahr besser!

Dieses Jahr zu erwähnen:

Bessere Bands, besseres Warm-Up, besserer Sound. Dazu: Schnellere Kontrollen am Einlass, schnellere Bedienung am Bierstand und Kompetenz bei Getränken, die nicht auf der Karte stehen (purer O-Saft, Kirschsaft etc.) Ich bin mal sehr gespannt wo nächstes Jahr die Schippe draufgelegt wird…. wirklich zu meckern hab ich nix, nur eine Bitte:

Skaband wär supertoll!

Wer nicht da war, hat wieder was verpasst und ich freu mich schon jetzt auf die 8. Runde. Ich liebe euch!

4 Zimmer Küche Bad- Eigentlich müsste man mal (CD Review)

4 Zimmer Küche Bad… Vor ca 5 Wochen hat die Rock WG ihr Debüt „Eigentlich müsste man mal“ veröffentlicht.

Wir wollen der Frage auf den Grund gehen: Was macht eine 4 Personen Herren WG eigentlich aus? Die erste Antwort darauf bekommt man beim Artwork der CD. Wenn man das schicke Digipack aufklappt und die Rückseite/das Cover betrachtet, wird aus dem kleinen Schmutzbild vorne ein richtiges Siff Spektakel. Wäre eine Frau dabei, so hätte sie bestimmt schon teilweise diesen Dreck beseitigt.

Gemastered hat das von Chris Kautz produzierte Werk ein gewisser „Mark Pfurtscheiler“. Ich würde also sagen der Umzug aus dem Proberaum in Schupach ins bedeutsamere Kalkwerk hat sich bezahlt gemacht. Schließlich findet man dort immer Freunde, die im Haushalt helfen können und inspirierend auf jeden Künstler wirken können. Unter diesem Gesichtspunkt, wirken Songtitel wie „Feiert Freunde“ wie eine Bestätigung für diese These.

Das wichtigste in einer WG ist aber doch: Gute Gespräche. Und wenn man politisch und gesellschaftlich gleich tickt, kann man daraus etwas Großes kreieren. Und genau das ist „4ZKB“ gelungen. 12 Tracks erzählen Geschichten, die meist etwas mit den Missständen dieser Welt zu tun haben. In Deutschland, aber eigentlich eben überall.

Die Musik bezeichnen die Jungs als Deutschrock. Und das geht in meinen Augen klar. Denn Punk-Rock-Rockabilly-Pop ist halt ein bisschen lang und tatsächlich, ist auch das nur ein kleiner Teil der Einflüsse die die alten Herren in ihrer Musik vereinen.

Mal aggressiv, dann mal sehr Ohrwurmlastig… Immer gepaart mit einer Melodie, gespielt von großartigen Musikern. Das ist für mich „4Zimmer Küche Bad“.

Was viele Leute womöglich gut finden, ich aber eher als Manko sehe: Die CD klingt 1 zu 1 wie die Jungs live.

Bei „Klangbild“ hab ich mich letztes Jahr ein bisschen über die Vielzahl an technischen Spielereien ausgelassen… Aber so ein bisschen finde ich, kann man sowas doch gerne nutzen. In der Medizin sagt man „Die Masse macht das Gift“ und ich finde: Stimmt. Sänger Tilly hat zwar eine großartige Stimme, egal ob er normal singt oder etwas aggressiver. Trotzdem hätte der eine oder andere Effekt, die CD noch etwas besser machen können, als sie sowieso ist. Denn ich finde: Wer wie ich Musik konzentriert hört, der wird hier bestens bedient. Aber das tut nicht jeder. Jemand der Musik lieber irgendwie nebenbei hört, könnte auf den falschen Gedanken kommen, dass das Album eintönig ist. Nochmal: Ist es nicht! Aber es kommt auch darauf an, wie bewusst man Musik konsumiert.

Prinzipiell ist das ganze Werk aber auch keine CD, die man „irgendwie im Hintergrund“ hören kann. Denn dann entgehen einem die Texte, bei denen sich der Bidi (Ex-Raketenklee, Ex-Das Bidi Bop Popensemble, Ex- Abgehörte Telefonate) mal wieder selbst übertroffen hat. Sehr linke Inhalte…Aber eben nicht in flache Phrasen oder die üblichen Parolen verpackt, sondern klar benannt. Beispielgebend dafür sind die Titel „Angstmaschine“ oder das überragende „Scheißegal“.

Am Ende ist es ein Album, was jeder zuhause stehen haben sollte und dennoch, ist mir noch bei keiner CD die Wertung sooo schwer gefallen. Alles ist geil, es ist top produziert, es ist schick aufgemacht, die Musik ist nice und klare Favoriten hab ich auch…. aber irgendetwas fehlt. Seit Wochen denk ich darüber nach und bin noch zu keinem Schluss gekommen….

Damit schließe ich diese Kritik. Nochmal: Gutes Debüt, keine Füller sondern Qualitätsmaterial von vorne bis hinten und trotzdem….Hmm.

Kauft es euch, denn bereuen werdet ihr es nicht. Da es kein Review ohne Wertung gibt:

7/10 Sternen.

P.S.: Wenn ihr die CD schon habt und es euch vielleicht genau geht… Dann postet es mir gerne auf unsere Facebook Seite!

Kalkwerk Festival 2018 Sonntag- Bericht

Sonntag, 10. Juni 2018

Fast pünktlich um kurz nach 13:00 Uhr hab ich es nach einer extrem kurzen Nacht auf das Gelände geschafft, um mir den Auftritt von „4 Zimmer Küche Bad“ zu geben. Die Jungs haben seit dem Kalkwerk Freitag endlich ihr Album „Eigentlich müsste man mal“ am Start (CD-Review folgt zeitnah) und dementsprechend mächtig Bock zu spielen, was man ihnen in jeder Sekunde anmerkt. Jetzt ist Sonntag um 13 Uhr als Opener nicht unbedingt die dankbarste Zeit zu zocken, aber die nicht mehr ganz so jungen Jungs nehmen es mit Humor: „Ist echt eine Ehre hier, heute und jetzt spielen zu dürfen. Direkt nach dem Headliner.“ Unmut klingt anders und spätestens beim „Ton Steine Scherben“ Cover von „Macht kaputt was euch kaputt macht“ singen dann auch Leute mit, die „4 ZKB“ vorher nicht kannten. Sogar der Regen fand „4ZKB“ so gut, dass er sich gleich dazu gesellte.

Weiter gings mit „Lillian“, die leider in meinem nachtragenden Kopf immer noch unter der unrealistischen Bandbeschreibung des letzten Jahres leiden müssen. Dazu kommt, dass ich die Stimme der Sängerin nach eingehender Analyse doch nicht mag. Handwerklich gibt es nix zu meckern, meine Lieblingsband werden sie trotzdem nicht mehr.

Sehr gespannt war ich auf Simon Krah und seine neue Zweitband „Radio Sancho“, deren bisherige Aufnahmen ich als völlig belanglos eingestuft habe und mich gefragt habe, ob mich das live mehr überzeugt. Um es kurz zu machen: Ja, tut es. Sänger Danny hat den Kurt Cobain Vibe in der Stimme und die gesamte Musik hat einfach den 90er Jahre Spirit verinnerlicht. Wenn man dann noch mit nacktem Oberkörper auftritt, fliegen einem noch ein paar Frauenherzen zu und man hat alles richtig gemacht. Masssentauglich, aber das ist ja nicht zwangsläufig schlecht.

Nach „Radio Sancho“ hab ich mich vom guten Essen in die Dorle Schäfer Halle locken lassen und viel zu viel vom Auftritt von „Ella!Phonk“ verpasst. Seltsamerweise bemerke ich immer wenn ich mich dort aufhalte wenn der nächste Künstler auf der Bühne steht… nur diesmal nicht. Naja, das letzte Viertel haben ich dann doch noch mitbekommen und es war: Geil natürlich! Von Ella!Phonk“ hab ich aber auch nix anderes erwartet und so haben die zwei Rapper und ihr DJ ordentlich Gas gegeben und mehr als nur vernünftig abgeliefert. Wie immer halt! Mit dem Smash-Hit „Alte Schule“ endete eine, für mich, VIEL ZU KURZE Performance. Nächstes Jahr passiert mir das nicht!

„Eve`s Temptation“ haben mir nie gefallen. Warum das 2018 anders ist, kann ich mir selbst nicht erklären, aber es war echt schön. Gut zum durchatmen, perfekt zum runterkommen, Für mich, hätten sie gerne noch viel länger spielen können.

Nichts geändert hat sich bei den Boys von „Driven“. Mit wunderschönem neuen Banner bleiben die Jungs klar auf Erfolgskurs und heizten dem Publikum überwiegend mit Songs ihres Albums „Under the same sky“ ordentlich ein. Erstaunlicherweise war auf der Tribüne etwas mehr Platz als vorher, aber auch das sollte jetzt nicht zu Depressionen führen. Bester Song (und das wird sich für mich wahrscheinlich nie ändern) ist und bleibt „Personal Changes“. Aber ganz ganz ehrlich und insgesamt betrachtet: Tolle Performance!

Ja, „Sidibeat“. Was kann ich zu denen noch sagen? Das Kalkwerk ist (wie so oft erwähnt) mein persönliches Jahreshighlight. Gründe sind: die familiäre Atmosphäre, das linkspolitische DIY Konzept, die Gemeinschaft von Freunden und viele tolle, liebe Menschen. Wenn man alle Faktoren zusammen nimmt und passende Musik dazu braucht, gibt es für mich nur einen Namen dafür. „Sidibeat“. Mal Akkustik, mal Rap, mal Reggae oder auch ein Beatbox Impro mit dem dritten Sidibe Bruder… es passt, es geht, es rockt einfach alles, was die Jungs machen. Mein absolutes Highlight 2017, mein absolutes Highlight 2018. Achja! Und „Freundeskreis“ hatte echt was magisches.

Während der Sidibeat Show wurde nochmal deutlich, wie viel Solidarität das Kalkwerk besitzt. Es wurde aufgerufen für das „Kalkonia“ Projekt, das in Eigenregie einen Skatepark bauen will, Becherpfand zu spenden. So kamen in kürzester Zeit mehr als 600 Becher zusammen, die zu einer großen Schlange zusammen gesteckt und gemeinschaftlich zur Pfandabgabe transportiert wurden. Das ist das Kalkwerk wie ich es Jahr für Jahr erlebe und schätze. Und so sah das aus:

Headliner des Sonntages waren „Alpargata“. Die spanisch anmutende Band wurde teils frenetisch gefeiert und war meistens extrem tanzbar. Die wenigen Songs, die nicht tanzbar waren, haben immer noch zum Rumspringen eingeladen und somit… ein klassischer Kalkwerk Headliner wie aus dem Lehrbuch.

Im Anschluss haben sich noch die Urkalkwerker von „Paris“ die Ehre gegeben, aber da war ich bereits schon auf der Heimfahrt. Wenn es im Kalkwerk genauso geschüttet hat wie unterwegs, bereue ich diese Entscheidung nicht… egal wie geil ich „Paris“ finde.

Ein riesiges Dankeschön auch diese Jahr wieder an das Kalkwerk, die Kalkwerker und das gesamte Team für ein wunderbares Festival und Tage voller Sinnesschmaus. Auf keinem anderen Festival werden alle Sinne so stimuliert wie hier. Schöne Menschen und Kunst für das Auge, handgemachte Musik für die Ohren, kulinarische Genüsse für den Gaumen, der Geruch natürlicher Substanzen und immer wieder…Momente der Gänsehaut.