SK-FANZINE - Schoppeklopper

4 ZKB- Lasst Liebe regieren (CD Review)

Wir schreiben das Jahr 2021 und wenn die Corona Pandemie und das Jahr 2020 irgendetwas Gutes hatte, dann definitiv die Tatsache, dass unsere heimischen Bands endlich die Zeit hatten, zu recorden. So auch „4 Zimmer Küche Bad“ , die uns fast drei Jahre nach ihrem Debüt „Eigentlich müsste man mal“ endlich im März den Nachfolger „Lasst Liebe regieren“ vorlegen werden. Ich durfte ihn schon komplett hören und euch nun meine Eindrücke schildern:

Einige Sachen fallen sofort auf. Direkt beim Titeltrack merkt man schon, wo die Reise hingeht. In der Vergangenheit war der typische „4ZKB“ Sound so angelegt, dass man Live gut mitgröhlen und zuhören konnte. Anspruchsvoller, aber unüberfordernder Polit-Rock. „Lasst Liebe regieren“ ist anders. Gaspedal durch und volle Möhre nach vorne. Direkt der Opener ist der schnellste Song, den es von den Jungs je gab und ist richtungsweisend für den Großteil des Albums. Eigentlich gäbe es da nix zu meckern, zumal der Rock WG die Geschwindigkeit enorm gut steht. Aber bei einem Song der derartigen Hymnencharakter aufweist, hätte man den Tilly in den Strophen lauter produzieren sollen, denn so kommt textmässig leider nicht allzu viel an.

Auch „Bonzenbrenner“ ist ein schneller Song, hat das Problem aber nicht. Überhaupt ist die Nummer 2 auf dem Album mein absoluter Favorit. Auf diesem Gesamtwerk wollte Tilli „das Geschrei etwas reduzieren“. Das hat er umgesetzt und wenn er jetzt schreit, kommt das derart punktuiert, dass einem ein wohliger Schauer Revolution über den Nacken strömt.

Weitere Themen die auf dem Album abgearbeitet werden, sind übrigens unter Anderem :

-fehlende Empathie

– ausbeuterische Großkonzerne die Innenstädte kaputt machen (Weilburg lässt grüßen)

-Selbstdarstellung auf Social Media

-Wut über den Alltagstrott

und und und…

Die gesamte Bandbreite der politisch-sozialen Problematik findet auf „Lasst Liebe regieren“ ihren passenden Song und das dabei ohne flache Parolen oder erhobenem Zeigefinger. Anspieltipps neben den zuvor genannten sind „Richtig gelebt“, “ Zuschauer“, „Nicht schon wieder aufstehen“ und das alles überragende „Niemals wieder“ , wo die Jungs mit dem fettesten Background Gesang aller Zeiten arbeiten.

Generell ist das Album von vorne bis hinten fantastisch produziert und geht dermaßen nach vorne, dass es eine wahre Freude ist. Wem bei „4ZKB“ die Geschwindigkeit bisher gefehlt hat, der wird diesmal noch mehr Freude daran haben. Auch ihre alten Supporter werden nicht enttäuscht, denn auch die Abwechslung und der Groove vergangener Tage, sind nicht verloren gegangen. Ein Song wie das live erprobte „Egoland“ hätte auch auf „Eigentlich müsste man mal“ seinen Platz gefunden und gehört zu einem weiteren Highlight.

Was sollte man noch erwähnen? Politisch und gesellschaftskritisch bleiben sie ihrer Linie treu, musikalisch geht’s abwechslungsreich, aber schneller zu… Eigentlich ist nicht viel mehr zu sagen.

„4 ZKB“ werden ein Album releasen, wo die geballten Kräfte der Vergangenheit mit neuen Nuancen gepaart gleichzeitig etwas neues ergeben, ohne auch nur eine Sekunde ihre glorreiche Anfangszeit zu verleugnen.

„Lasst Liebe regieren“ ist ein Punkrock Album, das etwas zu sagen hat, ohne kritikfrei bekannte Themen zu wiederholen. Es ist klug, es ist anspruchsvoll und es ist trotzdem Punkrock. Politik und Party in Symbiose.

Bevor ich mich hier ganz im Fazit ziehen verirre, bringen wir’s auf den Punkt:

10/10

friedliche Demonstranten für „4 ZKB“ .

Danke für eure Aufmerksamkeit und bis zum nächsten Mal.

Euer „Lord of Kerry“

 

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