SK-FANZINE - Schoppeklopper

Kalkwerk Festival 2018 Sonntag- Bericht

Sonntag, 10. Juni 2018

Fast pünktlich um kurz nach 13:00 Uhr hab ich es nach einer extrem kurzen Nacht auf das Gelände geschafft, um mir den Auftritt von „4 Zimmer Küche Bad“ zu geben. Die Jungs haben seit dem Kalkwerk Freitag endlich ihr Album „Eigentlich müsste man mal“ am Start (CD-Review folgt zeitnah) und dementsprechend mächtig Bock zu spielen, was man ihnen in jeder Sekunde anmerkt. Jetzt ist Sonntag um 13 Uhr als Opener nicht unbedingt die dankbarste Zeit zu zocken, aber die nicht mehr ganz so jungen Jungs nehmen es mit Humor: „Ist echt eine Ehre hier, heute und jetzt spielen zu dürfen. Direkt nach dem Headliner.“ Unmut klingt anders und spätestens beim „Ton Steine Scherben“ Cover von „Macht kaputt was euch kaputt macht“ singen dann auch Leute mit, die „4 ZKB“ vorher nicht kannten. Sogar der Regen fand „4ZKB“ so gut, dass er sich gleich dazu gesellte.

Weiter gings mit „Lillian“, die leider in meinem nachtragenden Kopf immer noch unter der unrealistischen Bandbeschreibung des letzten Jahres leiden müssen. Dazu kommt, dass ich die Stimme der Sängerin nach eingehender Analyse doch nicht mag. Handwerklich gibt es nix zu meckern, meine Lieblingsband werden sie trotzdem nicht mehr.

Sehr gespannt war ich auf Simon Krah und seine neue Zweitband „Radio Sancho“, deren bisherige Aufnahmen ich als völlig belanglos eingestuft habe und mich gefragt habe, ob mich das live mehr überzeugt. Um es kurz zu machen: Ja, tut es. Sänger Danny hat den Kurt Cobain Vibe in der Stimme und die gesamte Musik hat einfach den 90er Jahre Spirit verinnerlicht. Wenn man dann noch mit nacktem Oberkörper auftritt, fliegen einem noch ein paar Frauenherzen zu und man hat alles richtig gemacht. Masssentauglich, aber das ist ja nicht zwangsläufig schlecht.

Nach „Radio Sancho“ hab ich mich vom guten Essen in die Dorle Schäfer Halle locken lassen und viel zu viel vom Auftritt von „Ella!Phonk“ verpasst. Seltsamerweise bemerke ich immer wenn ich mich dort aufhalte wenn der nächste Künstler auf der Bühne steht… nur diesmal nicht. Naja, das letzte Viertel haben ich dann doch noch mitbekommen und es war: Geil natürlich! Von Ella!Phonk“ hab ich aber auch nix anderes erwartet und so haben die zwei Rapper und ihr DJ ordentlich Gas gegeben und mehr als nur vernünftig abgeliefert. Wie immer halt! Mit dem Smash-Hit „Alte Schule“ endete eine, für mich, VIEL ZU KURZE Performance. Nächstes Jahr passiert mir das nicht!

„Eve`s Temptation“ haben mir nie gefallen. Warum das 2018 anders ist, kann ich mir selbst nicht erklären, aber es war echt schön. Gut zum durchatmen, perfekt zum runterkommen, Für mich, hätten sie gerne noch viel länger spielen können.

Nichts geändert hat sich bei den Boys von „Driven“. Mit wunderschönem neuen Banner bleiben die Jungs klar auf Erfolgskurs und heizten dem Publikum überwiegend mit Songs ihres Albums „Under the same sky“ ordentlich ein. Erstaunlicherweise war auf der Tribüne etwas mehr Platz als vorher, aber auch das sollte jetzt nicht zu Depressionen führen. Bester Song (und das wird sich für mich wahrscheinlich nie ändern) ist und bleibt „Personal Changes“. Aber ganz ganz ehrlich und insgesamt betrachtet: Tolle Performance!

Ja, „Sidibeat“. Was kann ich zu denen noch sagen? Das Kalkwerk ist (wie so oft erwähnt) mein persönliches Jahreshighlight. Gründe sind: die familiäre Atmosphäre, das linkspolitische DIY Konzept, die Gemeinschaft von Freunden und viele tolle, liebe Menschen. Wenn man alle Faktoren zusammen nimmt und passende Musik dazu braucht, gibt es für mich nur einen Namen dafür. „Sidibeat“. Mal Akkustik, mal Rap, mal Reggae oder auch ein Beatbox Impro mit dem dritten Sidibe Bruder… es passt, es geht, es rockt einfach alles, was die Jungs machen. Mein absolutes Highlight 2017, mein absolutes Highlight 2018. Achja! Und „Freundeskreis“ hatte echt was magisches.

Während der Sidibeat Show wurde nochmal deutlich, wie viel Solidarität das Kalkwerk besitzt. Es wurde aufgerufen für das „Kalkonia“ Projekt, das in Eigenregie einen Skatepark bauen will, Becherpfand zu spenden. So kamen in kürzester Zeit mehr als 600 Becher zusammen, die zu einer großen Schlange zusammen gesteckt und gemeinschaftlich zur Pfandabgabe transportiert wurden. Das ist das Kalkwerk wie ich es Jahr für Jahr erlebe und schätze. Und so sah das aus:

Headliner des Sonntages waren „Alpargata“. Die spanisch anmutende Band wurde teils frenetisch gefeiert und war meistens extrem tanzbar. Die wenigen Songs, die nicht tanzbar waren, haben immer noch zum Rumspringen eingeladen und somit… ein klassischer Kalkwerk Headliner wie aus dem Lehrbuch.

Im Anschluss haben sich noch die Urkalkwerker von „Paris“ die Ehre gegeben, aber da war ich bereits schon auf der Heimfahrt. Wenn es im Kalkwerk genauso geschüttet hat wie unterwegs, bereue ich diese Entscheidung nicht… egal wie geil ich „Paris“ finde.

Ein riesiges Dankeschön auch diese Jahr wieder an das Kalkwerk, die Kalkwerker und das gesamte Team für ein wunderbares Festival und Tage voller Sinnesschmaus. Auf keinem anderen Festival werden alle Sinne so stimuliert wie hier. Schöne Menschen und Kunst für das Auge, handgemachte Musik für die Ohren, kulinarische Genüsse für den Gaumen, der Geruch natürlicher Substanzen und immer wieder…Momente der Gänsehaut.

Kalkwerk Festival 2018 (Samstag+Allgemeines)- Bericht

Achja… Kalkwerk. Der schöne Klassiker unter den heimischen Festivals fand am Wochenende statt und war (wie immer) großartig. Freitag ging es wie gewohnt mit Variete los. Dieses Jahr zwar leider ohne mich, aber es soll wie gewohnt fantastisch gewesen sein.

Samstag ging es dann weiter mit dem Musikprogramm. Da ich private Verpflichtungen hatte, konnte ich die Bands „Sevenleaves“, „Kaocide“, „Indicate“, „Girlpolice“ „Bloodspot“ und „Battle X“ leider nicht sehen. Sehr ärgerliche Sache. Besonders die letzten zwei sollen richtig krass abgegangen sein und ich habe keinen Grund, dass auch nur irgendwie anzuzweifeln.

Mein Samstag begann also mit der vollen Rap- Breitseite. Der gute „Polyone“ hat seinen Kumpel „Ernst Zwo“ mit an den Start gebracht und die Mission war klar: Das Kalkwerk zum Kopfnicken und die Ärsche zum wackeln zu bringen. Logo, das den Beiden das spielend gelang, denn es war einfach saugut und neben alten Songs wie Polyone`s „Naturfehler“ den es als Zugabe gab, konnten alle dargebotenen Songs überzeugen. Beim letzten Track gaben die zwei nochmal alles und ein Kasten Bier wurde vom Publikum auf der Bühne in 4 Minuten vernichtet. Mit beliebten Schlachtgesängen wie „Prost ihr Säcke“- „Prost du Sack“ war das Ende des Auftritts vielleicht nicht zwingend familienfreundlich, geil aber dafür alle Mal.

Danach wurde erst einmal Geburtstag gefeiert. Klaus Schäfer, seines Zeichens Unternehmer und Besitzer des Kalkwerk Geländes, feierte am Samstag seinen 80. Geburtstag. Das Kalkwerk dankte ihm für alles mit einem Geburtstagsständchen, an dem verschiedene Kalkwerker wie Jazzsängerin Jenny, „Deceiver“ Frontmann Daniel und viele weitere mit Soloparts teilnahmen. Ein schöner Moment, den Herr Schäfer mit großer Dankbarkeit zu würdigen wusste.

Wer letztes Jahr im Kalkwerk, auf dem Weil`s Rockt oder der Schoppeklopper Party die „Bouncing Bettys“ gesehen hat, der hat ja eine ungefähre Ahnung davon, wo der Hammer hängt. Wer sie noch nicht kennt (Gibt es sowas?) sollte sie unbedingt mal live besuchen. Ihr Ruf lässt sich kurz zusammenfassen: Partyknaller! Und diesen Ruf haben sie auch dieses Jahr weiter untermauert. Großes Kino. They love to entertain you!

Bei „The Bright Circle“ ging es deutlich gediegener zur Sache. Aber anspruchsvoller Rock mit deutschen Texten, 2 E-Gitarren und einer Akkustik Gitarre vorgetragen… das hat seine Daseinsberechtigung im Kalkwerk allemal.

Ja und dann wars Zeit für den Headliner. Dieses Jahr in Form von „Ganja Smoker Benjie“, der die „Ridm&Chop Band“ dabei hatte. Die Frage ob es gut war, lässt sich nicht so leicht beantworten. „Benjie“ selbst, gab sich größte Mühe und es war auch nicht total scheiße. Er hat gute und oft auch intelligente Texte, die sein Sprachfehler leider nur zu 25 Prozent ankommen ließen. Er hatte sichtlich Spaß… aber so richtig überzeugend war das jetzt leider eher nicht. Die „Ridm&Chop Band“ hat sich dagegen den Arsch abgespielt und ihn doch in gewisser Weise gerettet.. Am Ende war es doch ein guter und würdiger Headliner…was nicht der Verdienst von „Benjie“ sondern mehr von der mitgebrachten Band war, die einen desaströsen Auftritt abwenden konnten. Erwähnenswert noch der Spontanauftritt von Polyone. Zusammen rockt man die Crowd halt besser.

Im Kalkwerk ist es immer wieder schön. Gutes Essen, faire Preise ohne Erhöhung im letzten Jahr, Riesenauswahl und mit Liebe zubereitete Leckereien aller Art. Klasse wie immer.

Auch im Kalkwerk als Gelände hat sich seit dem letzten Festival einiges getan. Der vorher recht schlammige Weg zum Getränkestand wurde jetzt gepflastert und selbst bei schlechtem Wetter, kommt man jetzt trockenen Fußes zu seinem Bier, Äppler, Wasser etc.

Außerdem lassen sich die Toilettenkabinen im großen Gebäude am Eingang mittlerweile wieder abschließen und auch dafür gibt es einen Riesendaumen nach oben!

Genauso wie ein Riesenlike für das Kinderprogramm, die Kunstausstellung, die Ordnung und Sauberkeit auf dem Gelände und das Programm der Theaterschule. Ich selbst habe es nicht gesehen,  mir wurde berichtet, dass ich was verpasst habe.

Was ich nicht verpasst habe, war das Musikprogramm am Sonntag. Darüber, lest ihr aber erst morgen mehr.