SK-FANZINE - Schoppeklopper

Seepogo 2017- Bericht

Nicht viele Gründe gibt es den Ort Selters-Münster besuchen. Ok…Der Mittelaltermarkt von Pfarrer Ulrich Finger und seiner Frau Uschi im letzten Jahr war ein verdammt guter Grund. Wer mit Mittelalter und Religion nicht viel anfangen kann, dem rate ich einen Besuch in dem verschlafenen Dorf bei Bad Camberg generell ab. Immer? Nein! Denn einmal im Jahr steigt am See „Lago Alfredo“ eine Rock Party, die sich gewaschen hat. Das „Seepogo“ Festival.

Tatsächlich war die Phrase mit dem Waschen sehr bezeichnend für die diesjährige Ausgabe, denn viel Wasser gab es nicht nur im See, auch von oben war es zeitweise schon ziemlich brutal.

Nachdem wir auf dem Weg nach Münster noch unter blauem Himmel mit ein paar freundlichen weißen Wölkchen gefahren sind, war es dort angekommen richtig übel. Als erste Band traten die Jungs von „Paramagnet“ an, die ich endlich mal mit ihrem Sänger gesehen habe und was soll ich sagen? Saugeil! So gefällt mir die Musik von den Herzpunkern um Längen besser als zu alten Zeiten wo noch Ferenc gesungen hat. Ferenc ist ein genialer Gitarrist, aber seitdem er das Mikro übergeben hat, ist „Paramagnet“ zu einer erstklassigen Truppe geworden, auf deren zukünftige Shows ich mich nun sehr freue.

Besetzungwechsel und Selbstfindung… damit haben „Fatzke“ keine Probleme. Deren Karrierebarometer zeigt seit ihrer Gründung nur in eine Richtung, nämlich steil nach oben. Immer noch schüttet es aus Eimern, aber den Jungs macht das nix aus. Deren Gig beginnt mit „13 Quadratmeter Glück“ und von Sekunde 1 merkt man der Truppe an: sie haben einfach Spaß an dem was sie tun. Ein Gassenhauer folgt auf den Anderen und auch die opulente Showeinlage bei „Du bist nicht das Volk“ darf nicht fehlen. Allgemein war soviel Bewegung auf der Bühne, dass ich vor meinem geistigen Auge schon das Blut aufgrund von Crashs spritzen sah, aber am Ende sind doch alle heil geblieben und bis ich zuverlässig beim nächsten „Final Destination“ Film mitwirken kann, muss ich das mit dem Hellsehen wohl noch üben. Auftritt war Bombe und ein Highlight des Festivals.

„Daily Thompson“ hab ich schon einmal gesehen und mit ihrem Stoner- Rock kann ich persönlich nicht viel anfangen. Technisch perfekt, erfolgreich auf Tour und am Ende tuts mir Leid, aber es holt mich halt nicht ab.

Nicht meine Lieblingsband, aber immer wieder gut hörbar sind für mich „RoadRage“. Tatsächlich denken viele, dass ich die Band nicht mag. Totaler Quatsch! Nur weil sie meinen Geschmack nicht zu 100% treffen, ist das noch lange kein Grund sie nicht zu mögen. Ihr Songwriting hat Hand und Fuß, ihre Shows sind leidenschaftlich und wenn sich sie wirklich schlecht fände, hätten sie nie als potenzielle Kandidaten auf der Liste für die SK Party gestanden… und da standen sie dieses Jahr. WEIL SIE ES VERDIENT HABEN!

„Weil`s Rockt“, „Kalkwerk Festival“, „Seepogo“. Wo die „Bouncing Bettys“ auch momentan auftreten, brennt die Luft. Zwei Personen: Bass und Schlagzeug. Mehr braucht es nicht um die Party steigen zu lassen. „Sunday morning“ ist der Hit des Duo`s schlechthin und am Ende ihres gefühlt viel zu kurzen Gigs, stellt mein Bekannter die Frage aller Fragen: „Wo gibt’s von denen ein Album?“. Die traurige Antwort: „Leider garnicht“ und das sollte man schnell ändern. Liebe Bettys: Ich freu mich auf die SK Party. Egal ob ihr als dritte oder letzte Band zockt.

Jede Band die nach den „Bettys“ auftritt kann sich glücklich schätzen, denn mehr Einheizen kann man nicht. Nachdem „Daily Thompson“ schon den Regen weggestonert haben, ist es für „Wonk Unit“ ein leichtes Spiel die vorangegangene Stimmung zu halten. Aber Skatepunk geht ja eigentlich ohnehin immer. Ein Innovationspreis gewinnt die Gruppe zwar nicht, spaßig wars aber trotzdem.

Härtetechnisch noch eine Schippe draufgelegt hat die Band „Pears“, auf die ich ich mich nach erstem Probehören auf Youtube schon sehr gefreut habe. Tatsächlich sind sie live genauso geil wie bei Studioaufnahmen und Energietechnisch haben sie dermaßen reingeballert dass ich fast schon dachte, das Gewitter kommt zurück. Fett!

„Smile and Burn“ fand ich am Anfang dermaßen unspektakülar und langweilig, dass ich mir gedacht hab: Spar es dir. Aber umso fortgeschrittener ihre Show war, umso besser wurde es doch und ich merkte, dass meine Meinung revidiert werden muss. Mit Spielspaß und Punkrock Hymnen noch und nöcher, konnten mich „Smile and Burn“ doch noch begeistern.

Headliner des sechsten „Seepogo“ waren „Teenage Bottlerocket“ deren Namen mir ein Begriff war, deren Musik ich nicht benennen konnte. Ich war überrascht wie leicht man diese beschreiben kann: „Ramones 2017“. Haargenau so klingen sie. Absolut geiler scheiß! Und so schade ich die Absage von „Sam Alone and the Gravediggers“ auf dem diesjährigen Tells Bells finde. „Teenage Bottlerocket“ als Ersatz ist eine geniale Idee und wird in Villmar zu meinen Highlights gehören.

Weit nach 0:00 Uhr ging auch das diesjährige „Seepogo Festival“ schon zu Ende. Freibier bei den ersten Bands, ein geniales Line-Up, lecker Äppler und Asco, der Festival-Imbiss schlechthin…und last but not least die nahezu perfekte Orga haben das 2017er „Seepogo“ zu einem Hammer Event gemacht. Und trotz fiesestem Wetter bei den ersten Bands und unmittelbar nach Ende der Veranstaltung, war das Seepogo dieses Jahr extrem gut besucht. Der Erfolg gibt euch Recht. Fette Daumen nach oben für den „Lago e.V.“ und wenn ihr nächstes Jahr wieder eine Skaband dabei habt, dann platze ich vor Glück. Ich freu mich drauf!