SK-FANZINE - Schoppeklopper

Weil`s Rockt! 2017- Festival Review

Während die Weilmünsterer Region noch vor einigen Jahren eines der Hauptziele für geile Rockpartys war, sieht es heute doch eher mau aus. Keine erwähnenswerte Konzerte mehr in der Harmoniehalle, kein Kaffrock… Es gab bessere Zeiten. Umso schöner, dass sich der Stadtjugendpfleger zum 800 jährigen Jubiläum der Stadt was einfallen lassen hat: Ein richtiges Open Air!

An dieser Stelle auch ein riesiges Lob: Schon im Mai eine Freiluft Veranstaltung rauszuhauen. Ganz ehrlich. Die Eier hätte ich nicht gehabt. Aber zumindest in diesem Jahr war der Wettergott gnädig. Während die Prognosen noch am Vortag ziemlich düster aussahen, lachte am 13. Mai die Sonne auf den Kirberg. Es war angenehm warm, aber war der Rest auch angenehm? Ein klares: Ja! Auch wenn die Parkplätze ziemlich unzureichend beschildert waren (Ich hab sie nicht gefunden) und ich nicht verstanden habe, warum die ganze Straße nach oben gesperrt war, kam ich schon mit ordentlich Knieschmerzen an…Man wird halt auch nicht jünger. Essensmäßig wurde man von „Hot Curry“ gut versorgt. Klingt zwar erstmal nicht nach dem Brüller, aber die Bude hat ihr Angebotsspektrum mittlerweile um belegte Paninis, kreative Saucen und Burger erweitert und so war doch am Ende für jeden was leckeres dabei. Zu Trinken gab es Koblenzer Bier, was auch wirklich gut trinkbar ist, ganz im Gegensatz zu ihrem Radler, dass nach purem Süßstoff geschmeckt hat. Mit 2 Euro pro Getränk, beziehungsweise 1 Euro für Wasser, war die Flüssigversorgung in einem sehr günstigen Rahmen und dafür gibt es auf jeden Fall einen Daumen nach oben. Aber was ist auf einem Festival das Wichtigste? Richtig. Die Bands.

Punkt 14 Uhr ging es los… ohne mich. Da war ich noch nicht da. Auf Parkplatzsuche oder so. Dementsprechend habe ich die erste Band verpasst.

Die Ersten die ich miterlebt habe waren „Unbagged“. Die Jungs sind sehr nett, machen recht heavy Alternative Rock und erzählen Kollektiv von ihrem Glauben an Gott, was sie mir sympathisch macht und ich würde jetzt echt gerne was positives schreiben. Ich bin mir sicher, dass sie ihre Instrumente beherrschen und wissen was sie tun. Leider charakterisiert ihre Musik ein Adjektiv völlig ausreichend: Belanglos. Ja sie haben gespielt. Ja es war hörbar. Aber ehrlich gesagt ist nichts davon im Kopf geblieben. Kann man als Hintergrundmusik laufen lassen, aber vor die Bühne stellen, muss wiederum nicht sein. Sorry!

„Press on Regardless“ nennen ihre Musik „Modern Acoustic“ und das kann man so unterschreiben. Obwohl sie für ihre mit Gitarre und Cajon vorgetragenen Cover keinen Innovationspreis gewinnen werden, so hat es doch super zum Wetter gepasst und ganz entspannt im Sonnenschein sitzend, war die Band einfach zur richtigen Zeit am richtigen Ort um sie wirklich gut finden zu können.

Im Anschluss gab es das erste Highlight und dabei einen Riesengrund die Veranstaltung zu besuchen: „´Boiler“ waren am Start und haben neben alten Hits wie „Tanz mit mir“, unvergesslichen Klassikern wie „Rein“ und Partystimmung auch viele neue Songs mitgebracht, die durchweg überzeugen konnten. Leider hat sich der Zeitplan der Veranstaltung ziemlich ungünstig verschoben, weswegen Alex und seine Jungs nicht so lange spielen durften wie geplant. Einige Songs wie „Willst du“ und „Wahn“ durften sie nicht mehr spielen, aber sich für „Schwarz oder weiß“ als letztes Lied zu entscheiden, war die beste Option und sorgte nochmal für ordentlich Bewegung. Ansonsten war es einfach ein Boiler Auftritt wie immer. Gute Musiker auf der Bühne, Sänger Eric vor der Bühne… Alles wie gehabt. Ordentlich abgeliefert!

Ordentlich abgeliefert haben auch „Bouncing Betty`s“ die statt den ursprünglich angekündigten „Usinger“ gespielt haben. Die hab ich jetzt endlich mal so richtig bewusst live gesehen und was soll ich sagen? Hätte man mir vor 3 Jahren erzählt, dass ich mal eine 2 Mann Combo die nur mit Bass und Schlagzeug auf der Bühne steht mal total feiern würde, hätte ich ihn für verrückt erklärt… und heute tu ich es feiern. Richtig satten Partyrock gab es auf die Ohren und Sänger Timmy klingt wie Ozzy Osbourne zu Besten Zeiten. Die Bettys haben mich so überzeugt, dass ich sie schon mal nach Interesse für eine Show auf der Schoppeklopper Bühne gefragt habe und wer weiß, vielleicht wird es ja. Von meiner Seite aus, steht dem zumindest nichts im Wege.

Im Anschluss spielte „Hanne Kah“ und die tat mir richtig leid. Nettes Mädel, schöne Stimme und kreative, folkige Pop-Rock Nummern… und völlig deplatziert nach zwei Partybands. Also ernsthaft?!? Wenn ich einen Kritikpunkt an den Veranstalter loswerden darf: Wer hat das denn beschlossen? Das war doof für die Leute, ungünstig für die Band und hinterlässt bei mir totale Verständnislosigkeit. Mittags hätte es gut gepasst, am Ende zum Abschluss hätte es gut gepasst… Aber nicht da! Egal. „Hanne Kah“ waren gut und haben das Beste draus gemacht und sich wacker geschlagen. Ob „Hanne Kah“ die verlorene Tochter von „Hubert Kah“ ist, hab ich leider immer noch nicht rausfinden können.

Als Co-Headliner gab sich der sympathische „Scherf“ mit seiner Band die Ehre. Die haben auch einen Slot auf dem Pell Mell Festival und sind allgemein groß im Kommen.Warum das so ist, weiß ich auch nicht. Pop-Punk wie schon etliche Male besser gehört. Keine Ahnung, warum „Scherf&Band“ so beliebt sind momentan.

Mit „Die Traktor“ als Headliner hat sich das „Weil`s Rockt“ Team Pluspunkte gesammelt, denn die wollte ich schon lange mal live sehen. Deren „Sommer Song“ war der Platz 1 in der Rotation auf „Rockfun 24“, dem offiziellen Hessentagsradio 2005 in Weilburg. Ich war damals Redakteur und Regionalrock Experte für Rockfun und hab den Song in 10 Tagen gefühlte 100 mal gehört. Ansonsten kannte ich noch „Linksrotation“ und „Trekker fahrn“ und hatte gewisse Erwartungen an die Performance. Diese wurden allerdings nicht erfüllt… Sie wurden ÜBERTROFFEN. „Die Traktor“ sind eine dermaßen geile Live-Band, alter Falter. Vom ersten Lied an voller Energie, tanzbar, spaßbringend und großartig. Guter Publikumskontakt, Mitgröhl-Hymnen mit ernsten Texten oder die Punkrock Version von „Hänschen Klein“. Irgendwie haben die nicht mehr so jungen Kerle einfach alles richtig gemacht. Den „Sommer Song“ gab es nicht, „Linksrotation“ schon und ich habe mich glaube ich ziemlich blamiert und geoutet, dass ich sie noch nie live gesehen hab. Ich stand in ersten Reihe und habe lauthals „Trekker fahrn“ gefordert… Einen Song der offenbar traditionell als Letztes gespielt wird. Tja, wieder was dazu gelernt. Auf jeden Fall weiß ich eins: Das war nicht das letzte „Die Traktor“ Konzert in meinem Leben.

Was ich nicht weiß, ob es weitere Ausgaben von „Weil`s Rockt!“ geben wird. Der Presse war vorher zu entnehmen, dass der Stadtjugendpfleger die Veranstalter etablieren will. Mittags waren echt erschreckend wenig Leute da, was ich nicht verstehen kann. 8 motivierte Bands für 6 Euro im Vorverkauf an einem Tag mit BESTEM Wetter. Das ist mehr als günstig und mehr an Werbung und Preis geht nicht.

Ich würde mich in jedem Fall sehr freuen, dieses kleine wunderbare Event nächstes Jahr wieder besuchen zu können. Kleine Fehler gab es, aber das ist beim ersten Mal ja auch voll in Ordnung und an und für sich war es schon ein großartiger Tag. „Part Time Punx“ Gitarrist „Beckus“ war so beeindruckt von der Veranstaltung, dass er die Gerüchteküche zum brodeln bringt, ob nicht eventuell die Part Time Punx nächstes Jahr, also 13 Jahre nach Auflösung, ihren nie stattgefundenen Open-Air Gig dort spielen.

Als kleiner Tipp generell: Es gibt einige Weilmünsterer Bands, die sich sehr über eine Anfrage gefreut hätten… Vielleicht die nächstes Jahr mal fragen. Und auf jeden Fall „Weil`s Rockt!“ wiederholen. Ich wär dabei!

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