SK-FANZINE - Schoppeklopper

Hand in Hand Punkrock Benefiz- Bericht

Ein Blick nach draußen und es wird klar: Die Zeit der Open-Airs im Jahr 2015 ist rum. Aber kaum eine Woche später gab es schon den ersten Indoor Kracher: Das heiß ersehnte „Hand in Hand Punkrock Benefizkonzert“ zugunsten der Flüchtlingshilfe Löhnberg. Und wie nötig das war hat sich schon im Vorfeld gezeigt, nachdem immer wieder Plakate für diese großartige Aktion abgerissen wurden. Aber nun zum Abend selbst.

Die Party für den guten Zweck fand im Alpine Club statt und für mich war es das erste Mal nach ca. 5 Jahren, dass ich die Hochalm mal wieder von innen sah und mir mal wieder gedacht hab: „Geile Location!“ Der Eintritt betrug 5-10 Euro, je nachdem wie viel man geben wollte/konnte. Als wir ankamen war noch recht wenig los, weshalb sich die Anfangszeit solang nach hinten verschoben hat, bis es anders war.

Den Auftakt machten „Roadrage“ aus der Limburger Umgebung. Nachdem ich ja am Seepogo mit falschen Erwartungen an die Sache heran gegangen bin (siehe Bericht), wusste ich ja diesmal was ich zu erwarten hab: Ordentlicher dreckiger Punkrock mit einigen wenigen Rock`n`Roll Elementen. Gut gespielt und überzeugend. Schicker Auftakt, auch wenn das Schlagzeug böse gescheppert hat.

Der Headliner für die Meisten kamen als zweites an die Reihe. „Fatzke“ mit ihrem dritten Gig und der ersten Show in der Heimat. Ergebnis: Man, war das geil! Die Leute sind abgegangen als ob es die Band 10 Jahre gibt. Die Texte wurden mitgesungen, die Jungs gefeiert und Pogo gabs selbstverständlich auch. Es war echt Hammer und die Songs der an diesem Abend offiziell veröffentlichten EP „Einmal Leben und zurück“ kamen genau so gut an wie alle anderen auch, was auf ein hoffentlich bald erscheinendes Album hoffen lässt. Höhepunkte waren an diesem Abend natürlich besonders der Anti-Pegida-Nazi Song „Du bist nicht das Volk“ inklusive dem enthaltenen Rap-Part und bei dem die Leute förmlich ausgerastet sind, sowie der Oberhit „Meine Welt“ mit den 2 Bläsern von „Skameleon“. Es war wirklich irre. Fatzke live: Krachig, rockig und die Vollklatsche an Emotionen. Das macht Lust auf mehr. Eine Zugabe hätten sie dennoch spielen können.

Letzte Band am Abend (und durch den späten Beginn VIEL zu spät dran) waren Ferencs` „Paramagnet“. Die hatten das größte Banner und leider deutlich weniger Zuschauer als Fatzke. Das ich die Aufnahmen von „Paramagnet“ nicht SOOO geil finde ist kein Geheimnis, live haben sie mich TOTAL überzeugt. Die Jungs sind einfach hammergeile Musiker und entgegen meines Gefühls bei den Aufnahmen, kann der Ferenc doch zeigen, was er an der Gitarre wirklich drauf hat. Besonders gefallen haben mir die schnelleren Songs, wo auch das gute Schlagzeug besonders zur Geltung kam. An und für sich sind sich „Fatzke“ und „Paramagnet“ ja gar nicht mal so unähnlich: Poppig, melodiöser Punkrock mit Gefühl und deutschen Texten. Auch „Paramagnet“ sehr gerne öfter live.

Die Aftershow wurde gestaltet von „Poly-One“ und Kollegen. Und da beim Freestyle Beat jeder meinte was beisteuern zu müssen gibts die Kritik dazu auch in Reimform:

Mancher Freestyle an dem Abend machte keinen Sinn,

doch Poly-One im Alpine war ein Riesending.

Am Anfang leider irgendwie zu leise,

Sound weiter aufgedreht und ich war down mit der Scheiße.

Fette Beats, geile Reime aus Limburg an der Lahn,

an denen so schnell keiner vorbei kam.

Nach mehr als 2 Stunden gingen die Lichter aus,

Kammerflimmern, Poly-One… ich bin raus.

 

SAUGEIL!!!!

 

Danke an Fatzke, Paramagnet, Roadrage und Poly…sowie die Hochalm für den fantastischen Abend für den guten Zweck. Allein durch die Eintrittsgelder sind mehr als 1200 Euro zusammen gekommen und da ist die Spende aus dem Getränkeverkauf der Hochalm noch nicht mit drin. Es war wirklich ein super Auftakt der Herbst-/Wintersaison und wir freuen uns auf die nächsten „Fatzke“ Shows in der Heimat: Kakadu Limburg und Schoppeklopper Party!

 

Pell Mell Festival 2015- Bericht

Kalkwerkfestival, Seepogo, Tells Bells, Kakadu Sommerfest, Sasan`s Regio-Rock B-Day…Der langsam zu Ende gehende Sommer hatte wirklich viele geile Highlights zu bieten… Aber am Ende des Sommers steht auch immer noch eines der ultimativen Festival Highlights an. Am vergangenen Wochenende war in Obererbach zum zehnten Mal PELL MELL Festival. Und es war mal wieder VOLL SCHÖÖÖN!

Das Wetter war ok, das Essen günstig und lecker, die Stimmung gut, das Bier kalt. Besonders hervorzuheben beim Thema Essen ist der Tapas, Linsen-Apfel-Curry-Suppe und Chicken Curry Stand, der sich als gesunde Alternative zur Rockwurschdbud darbot. Lecker, günstig… aber leider nicht besonder durchsetzungsfähig. Wirklich schade. Rockwurschdbud war aber auch wieder so geil wie jedes Jahr.

Organisiert war das Festival wieder prima. Keine langen Wartezeiten, gute Budenanordnung, schöner Zeltplatz, humane Parkplatzsituation. Lediglich die Geschichte mit dem Müllpfand war etwas seltsam. Da verkündet ein Schild am Campground, man könne den ganzen Samstag Müll abgeben und mündlich wird das noch einmal so kommuniziert. Wenn man das dann tun will, wird man vom Personal unten zum Gelände hoch geschickt und bekommt da gesagt, die Abgabe sei unten und nur bis 12:00 Uhr. Irgendwie wusste da die eine Hand nicht so ganz was die andere tut, aber da es das erste Mal war kann das eben vorkommen. Außerdem war ja am Ende dann alles gut.

Kommen wir zum wichtigsten Faktor eines Festivals: die Musik. Die war Freitag größtenteils sehr Hardcore lastig und daher nicht immer unbedingt mein Fall. Trotzdem hab ich mir die Mühe gemacht und mir zu jedem Act Notizen gemacht:

Freitag:

Der Freitag startete mit „Kompass“. Ich würde sagen am einfachsten ist deren Stil als Pop-Rock mit deutschen Texten zu charakterisieren. Hat mir gut gefallen, auch wenn echt wenig los war.

Unsaid sind derzeit  am abräumen was geht und die Musik war auch schwer okay. Was gar nicht ging war die Stimme und als ich das zu Franzi gesagt hab, saß uns ein junger Hardcore Fan gegenüber der das ganze kommentiert hat mit: „Endlich sagts mal jemand.“ Nothing left to say…

Höhepunkt war für mich natürlich der einmalige Reunion Auftritt von der heimischen Legende „Isetta Drive“ unter dem Motto „Noch einmal mit Gefühl“. Pünktlich um 18 Uhr gings los und ich habe noch nie erlebt, das Sänger Jens Claus vor einem Auftritt SO nervös wirkte. Das legte sich aber schnell, denn es war der Hammer. Neben alten (Rücken zum Publikum, durch die Menge wandern, Gymnastikübung) und neuen (Schlauchboot Stage-Dive) Aktionen, stand natürlich besonders die Musik im Vordergrund. Die Setlist hätte kaum besser sein können. „Schatten“,“Zorn“, „Warten“, „Leute läuten“,“Dummschwätzer“ und „Alles ist vorbei“… Alte und neue Hits wurden aus der Kiste gekramt und lieferten einen genialen Überblick über die ca 6 jährige Bandgeschichte, die leider 2012 ein Ende fand. Am Ende war es ein Top Gig, leider bei mäßig gutem Sound (Gesang zu leise), aber guter Stimmung und am Ende hab ich tatsächlich noch ein Tränchen verdrückt, dass es nur eine einmalige Show zum Pell Mell Geburtstag war.

„A traitor like judas“ kennt man als Festival Gänger mittlerweile und es ist immer wieder angenehm die Jungs zu hören. Klare Ansagen und Bombenstimmung prägten ihre Performance.

„Devil in me“ waren ganz nett. In meinen Augen nicht mehr und nicht weniger und hatten einige neue Songs im Gepäck.

„Born from Pain“ fand ich früher mal unterirdisch schlecht und heute deutlich besser…wenn auch die Musik immer noch nicht ganz mein Fall ist. Am Ende war der Auftritt zwar ok, aber gleichzeitig haben sie in meinen Augen jede Glaubwürdigkeit verspielt. Die angeblich linksorientierte Band wird offenbar von „Relentless Energy“ gesponsert. „Relentless“ ist ein fucking „Product of the COCA-COLA Company“… klar. man muss sehen wo man bleibt, aber das fand ich doch irgendwie seltsam.

„Adept“. Soundfail Nummer 2: Gitarre zu leise, Bassdrum zu laut. An und für sich schneller, solider Hardcore. Kompromisslos und aufs Maul geradeaus.

Anmerkung: Ich kannte Adept vorher nicht, aber selbst einige Fans der Combo sagten am Samstag sie seien von deren Leistung schwer enttäuscht. Ich fands ziemlich in Ordnung, aber die müssten es ja besser wissen als ich.

Samstag:

Der Samstag fing früh an mit 50 Litern Freibier ab 14 Uhr, die um 14:12 Uhr leer waren. Kaum drei Minuten später eröffneten „The Bargelds“ den Tag und wurden zu einem der absoluten subjektiven Highlights meines Festival. Mit viel Witz und Charme konnte sich das Liedermacher Duo sofort tief in mein Herz spielen und ihre letzten zwei CD`s sind die großartigen Musiker auch noch los geworden. Eine davon sogar an den Tontechniker. Ein riesiges DANKE an den A.Wellmann für die Verpflichtung dieses Duos. Besser und unterhaltsamer hätte man den Samstag nicht eröffnen können und ich hoffe sehr, die Herren Dakota&Washington Bargeld kommen wieder.

„Nothings left“ waren halt mal wieder Hardcore und sind die einzige Band, bei der ich nicht so recht weiß, was ich noch schreiben soll.

„I scream for Icecream“ haben schon lange vor ihrem Gig meine Sympathie geerntet. Auf dem ganzen Festivalgelände verteilt hingen Zettel, an denen man sich einen Wookie mitnehmen konnte um nicht allein moshen zu müssen. Eine genial-niedlich-kreative Promomaßnahme. Ich ziehe meinen Hut. Auch der Auftritt selbst war wirklich gut. Hardcore mit Synthie, geile Shouts, guter Gesang und nette Melodien. Was will man an einem Samstag nachmittag mehr?

„Anchors&Hearts“ waren besser als ich erwartet habe und damit echt nett anzuhören.

„Destination Anywhere“ sind sowas wie die Stammgäste auf dem Pell Mell und immer wieder von Jahr zu Jahr richtig toll. Klasse, tanzbarer Skapunk mit Ausstrahlung. Wunderbar arrangiert, gut ausgetüftelt und von mir aus dürfen sie auch die nächsten Jahre gerne wieder spielen. Ich würde mich freuen.

„Six Reasons to killl“ waren die einzige Metalband des Festivals und hatten als Metalband zwischen 2 Skakrachern wirklich einen undankbaren Job zu erfüllen. Ordentlich harte und gute Mukke, krasser Sänger. Eine der Bands auf deren Auftritt ich mich am meisten freute und die mich definitiv NICHT enttäuscht haben.

Die „Skatoons“ waren für viele der heimliche Samstag-Headliner und heiß ersehnt. Zu hören gab es gute Laune Ska mit deutschen Texten…und den Soundfail Nummer 3: Viel zu lauter Gesang. Die Firma OnEvent hat sich an diesem Wochenende wirklich nicht mit Ruhm bekleckert.

Nach einem kleinen, aber feinen Pell Mell Geburtstagsfeuerwerk zockten „Annisokay“ eine ordentliche Stunde. Bester Song war definitiv das Miley Cyrus Cover „Wrecking Ball“, was gut umgesetzt und Hammer gesungen wurde. Ich wusste ja immer dass dieser Song vielmehr Potenzial hat, als die meisten Menschen denken. Hihi…der Saitenspieler links neben dem Sänger sah aus als sei er 14 Jahre alt.

Last but not least spielte der BESTE Headliner, den je ein heimisches Festival gebucht hat. DIE kulturelle Größe der Punkrock Szene: Die mächtigen KASSIERER aus Bochum. Nackter Mann auf der Bühne, nackte Männer und Frauen (teilweise echt lecker) vor der Bühne. 1 1/2 Stunden Vollgas mit allen wichtigen Songs wie „Mach die Titten frei“, „Blumenkohl am Pillemann“, „Besoffen sein“, „Ich töte meinen Nachbarn und verprügel seine Leiche“…Absolut vulgär, ordinär und legendär. Meine Notiz zu den Kassierern lautet nur „HAMMER!!! HAMMER!!! HAMMER!!! Das war geil und groß…das war unbeschreiblich. DANKE PELL MELL!!!!

Ja, so ist das. Ohne irgendeines der anderen Open Air Events des Sommers irgendwie herabsetzen zu wollen…das BESTE kam am Schluss. 10 Jahre Pell Mell, 10 Jahre Spaß und Top Orga. Ich danke euch für das schönste und beste Sommerevent 2015. Es gäb noch viel zu loben, zu kritisieren nur den Sound. Nächstes Jahr einen anderen Techniker, dann gibts die Note 1 mit Sternchen. Bis nächstes Jahr, ich freu mich!